Selbstwert und Wahrheit
Was haben die eigentlich miteinander zu tun? Nun, das eine funktioniert ohne das andere nicht so richtig. Der Selbstwert bildet sich letztendlich daraus, was wir von unserem Sein anerkennen und welche Teile wir ablehnen. Je mehr Anteile ich besitze, die für mich unangenehm sind und für die ich mich schäme, desto weniger möchte ich diese und letztlich auch mich dadurch zeigen. Wenn ich jedoch immer weiter in den Schatten flüchte, entsteht daraus auch die Situation, dass ich meine Wahrheit über mich nicht mehr überprüfen kann. Ich mache zwar keine Erfahrungen mehr mit meinen unangenehmen Anteilen, ich nehme mir aber auch die Chance, positive Gegenerfahrungen zu machen. Solche, die mein Bild über mich korrigieren könnten.
„Entweder du übernimmst Verantwortung für deine Wahrheit oder du kämpfst für immer um deinen Selbstwert“, sagt die renommierte US-Autorin Brené Brown. Sie hat jahrelang zu den Themen Mut und Verletzlichkeit geforscht.
Was bedeutet das also? Wie kann ich die Verantwortung für meine Wahrheit übernehmen? Es gelingt, wenn ich mir folgendes klarmache: Meine Wahrheit ist auch immer verknüpft mit meinen Emotionen. Wenn ich beispielsweise verlassen wurde oder meine Freunde mich immer wieder versetzen, dann ist das nicht nur eine kognitive Erkenntnis oder Wahrnehmung, sondern auch eine emotionale Erfahrung. Viele unangenehme Emotionen gehen für mich damit einher und es gibt Momente, da fühlt es sich wie eine große Niederlage an.
Aber: Genau das ist der Weg!
Wer Niederlagen erfolgreich überwunden hat, nimmt seine Emotionen an. Menschen, die zu ihrer inneren Stärke gefunden haben, schauen sich ihre Erlebnisse ehrlich an, während sie sich gleichzeitig mit Themen wie Schuldzuweisungen, Scham, Groll, Vergebung und gebrochenem Herzen auseinandersetzen. Daraus gewinnen wir wertvolle Erkenntnisse über uns selbst und können unsere Verhaltensmuster letztlich verstehen. Wir können einen Schritt weitergehen. Haben wir unsere Verhaltensmuster wirklich ehrlich verstanden, dann sind wir in der Lage sie andersrum aufzuschlüsseln. Weiß ich, warum mir dieses und jenes passiert ist, welchen Anteil ich daran hatte, kann ich auf diesen Anteil in Zukunft aufpassen.
Ich kann somit aus meiner Erfahrung lernen und eröffne damit den Möglichkeitsraum für neue Erfahrungen. Darüberhinaus bin ich an diesem Punkt in der Lage, meine Erfahrung als Anteil in mir zu integrieren.
Mein Anteil der angenommenen Anteile in mir wächst also und bildet nach und nach ein ernstzunehmendes Gegengewicht zu dem Part der nicht-angenommenen Anteile. Dies ist ebenso eine Wahrheit, wie die Wahrheit meiner gemachten Erfahrungen.
Was kannst du mit dieser Wahrheit über deine Anteile tun?
Genau.. du kannst die Verantwortung dafür übernehmen und diese Anteile in dir neu ordnen. Wann hast du das das letzte Mal getan? Wann hast du das letzte Mal die Stimmigkeit deines Selbstwertgefühls überprüft? Halte es aktuell und aktualisiere es nach jeder Erfahrung. Denn:
„Wir wissen erst, wer wir sind, wenn wir verstanden haben, wie wir mit schwierigen Situationen umgehen.“(Brené Brown)
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